S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche

Auf Anraten von Chögyam Trungpa Rinpoche hat Rigdzin Shikpo sich auch an S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche gewandt und von diesem Unterweisungen und kraftvolle Übermittlungen erhalten. Gemeinsam mit Trungpa Rinpoche hat S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche 1975 die Longchen Foundation begründet.
Khyentse Rinpoche vollendete seine Ausbildung noch in Tibet. Er verbrachte insgesamt mehr als zwanzig Jahre seines Lebens in Klausur und wurde ein Halter von zahlreichen buddhistischen Übermittlungen aller Hauptschulen des tibetischen Buddhismus, insbesondere der Nyingma-Tradition.

Khyentse Rinpoche war eine imposante Gestalt, ein ‘Berg’ von einem Mann mit unerschöpflicher Energie, dessen einzige Motivation es war, anderen zu nutzen. Er war ein Gelehrter, ein Weiser, ein Poet und ein Tertön, d. h. ein Entdecker von spirituellen Schätzen, die von Guru Rinpoche im 8. Jahrhundert verborgen worden waren. Er inspirierte alle, die ihm begegneten, mit seiner majestätischen Präsenz, seiner Einfachheit, seiner Würde und seinem Humor.

Er war ein Meister der Herzessenz-Unterweisung des Dzogchen, die den Schüler direkt in die Natur des Geistes einführt. Er war der spirituelle Ratgeber der königlichen Familie von Bhutan, der wichtigste Nyingma-Lehrer von S.H. dem Dalai Lama und ein Wegweisender für Tausende von buddhistischen Praktizierenden in der ganzen Welt.

Es gibt kaum einen tibetischen Lama unserer Zeit, der nicht von Dilgo Khyentse Rinpoche Unterweisungen empfangen hat, und viele von ihnen verehren ihn als einen ihrer wichtigsten Lehrer.

In seiner Generation war er die führende Gestalt in der nicht-sektiererischen Rime-Bewegung. Er war in der Lage, sich in einem Kloster gleich welcher Tradition auf seinem Sitz niederzulassen und genau in der entsprechenden Überlieferung zu lehren.

Khyentse Rinpoche wurde 1910 in Osttibet geboren, in einer Familie, die vom König Trisong Detsen aus dem 8. Jahrhundert abstammte. Sein Vater war ein Minister des Königs von Derge. Schon vor seiner Geburt wurde er als eine außergewöhnliche Inkarnation anerkannt, und zwar von dem berühmten Mipham Rinpoche (1846-1912), der dem Kind später den Namen Tashi Paljor (Glücksverheißender strahlender Ruhm) gab und ihm einen besonderen Segen erteilte.

Mit elf Jahren trat Rinpoche in das Shechen Kloster in Kham ein, eines der sechs führenden Klöster der Nyingma-Schule. Hier wurde er von seinem Lehrer, Shechen Gyaltsap, dem Dharma Erben von Mipham Rinpoche, formell anerkannt und inthronisiert als eine Inkarnation des Weisheitsgeist-Aspektes von Jamyang Khyentse Wangpo, des ersten Khyentse Rinpoche (1820-1892). Letzterer hatte zusammen mit dem ersten Jamgon Kongtrül in ganz Tibet ein neues Wiederaufblühen des Buddhismus in Gang gesetzt.

‘Khyen tse’ bedeutet Weisheit und Liebe. Die Khyentse Tulkus sind Inkarnationen von Schlüsselgestalten in der Entwicklung des tibetischen Buddhismus.

In Shechen verbrachte Rinpoche seine Zeit meist damit, in einer Einsiedelei oberhalb des Klosters unter Anleitung seines Gurus zu lernen und zu meditieren. Rinpoche studierte auch unter vielen anderen großen Meistern seiner Zeit.

Bevor Shechen Gyaltsap starb, versprach Khyentse Rinpoche seinem hochverehrten Meister, dass er großzügig jedem, der ihn darum bitten sollte, den Dharma lehren würde. Er verbrachte dann die nächsten 13 Jahre (im Alter von 15 bis 28) fast ausschließlich in schweigender Klausur in entlegenen Einsiedeleien und Höhlen.

Später arbeitete er viele Jahre mit Dzongsar Khyentse Chökyi Lodrö (1896-1959) zusammen. Nachdem er von diesem zahlreiche Übertragungen empfangen hatte, drückte Rinpoche ihm gegenüber den Wunsch aus, den Rest seines Lebens in einsamer Meditation zu verbringen. Chökyi Lodrö aber antwortete: “Die Zeit ist für dich gekommen zu lehren und anderen die zahllosen kostbaren Belehrungen, die du erhalten hast, weiter zu geben.”

Seit dieser Zeit hat Dilgo Khyentse Rinpoche ohne Unterlass und mit unermüdlicher Energie zum Wohle der Wesen gewirkt.

Nachdem er Tibet verlassen hatte, verbrachte er einen großen Teil seiner Zeit auf Reisen durch die ganze Himalaya Region, nach Indien, Südostasien und in den Westen, um seinen zahlreichen Schülern die Lehren zu übermitteln und zu erklären, oftmals begleitet von seiner Frau, Sangyum Lhamo, und seinem Enkel und spirituellen Erben, Rabjam Rinpoche.

Wo auch immer er sich aufhielt, stets erhob er sich lange vor Tagesanbruch, um für mehrere Stunden zu beten und zu meditieren, bevor er sich dann bis spät in die Nacht der endlosen Folge seiner verschiedenen Aktivitäten widmete. Er bewältigte ein unerhörtes tägliches Arbeitspensum in heiterer Gelassenheit und ohne jedes Zeichen der Anstrengung.

Überall, wo er hinkam, unterstützte er Praktizierende und Menschen in Not, und zwar auf solch diskrete Weise, dass nur wenige Menschen über das Ausmaß seiner Mildtätigkeit im Bilde waren.

Er ließ in Bhutan, Tibet, Indien und Nepal zahlreiche Stupas, Klöster und Tempel errichten.

Rinpoche war zudem bemüht das außerordentliche Erbe Tibets an buddhistischen Lehren auch in schriftlicher Form zu bewahren und publizierte insgesamt ungefähr dreihundert Textbände.

1975 unternahm er erstmalig eine Reise in den Westen. In der Dordogne in Frankreich entstand später sein europäischer Hauptsitz. Hier konnten Menschen aus der ganzen Welt ausführliche Belehrungen von ihm empfangen und verschiedene Gruppen von Schülern die traditionelle 3-Jahres-Klausur unter seiner Führung abschließen.

Khyentse Rinpoche hatte sein ganzes Leben in den Dienst der Erhaltung und Verbreitung der buddhistischen Lehre gestellt. Seine größte Befriedigung war es zu sehen, dass die Menschen die Lehren wirklich praktizierten und umsetzten.

Selbst in seinen letzten Lebensjahren wurde Khyentse Rinpoches außerordentliche Energie und Tatkraft wenig durch das fortschreitende Alter beeinträchtigt. Erst 1991, in seinem letzten Lebensjahr, zeigte er erste Anzeichen von gesundheitlicher Schwäche. Er gab dann noch Einweihungen und Übermittlungen, verbrachte dreieinhalb Monate in Klausur in Bhutan, gegenüber dem heiligen Ort Paro Taktsang, dem Nest des Tigers.

Am 27. September 1991 starb Rinpoche.

Quellen:

Dilgo Khyentse: Das Herzjuwel der Erleuchteten, Theseus Verlag 1994

Die fünf Säulen der Longchen Foundation:

Rigdzin Shikpo

Chögyam Trungpa Rinpoche

Khenpo Tsültrim Gyamtso Rinpoche

"Betrachte Meditation als Teil deines Lebens, als etwas, das du niemals aufgeben wirst. Dein Geist wird sich immer damit beschäftigen und du musst nicht in der einen Sitzung alles richtig machen."

Rigdzin Shikpo