Chögyam Trungpa Rinpoche

Es gibt kaum einen Vortrag, in dem Rigdzin Shikpo nicht auf seinen Lehrer Chögyam Trungpa Rinpoche hinweist und diesen zitiert. Seine tiefe Verbindung zu ihm ist offensichtlich. Rigdzin Shikpo begegnete Rinpoche 1965 während Rinpoches Zeit in Großbritannien und wurde einer seiner ersten westlichen Schüler. Rinpoche gab ihm damals ausführliche Unterweisungen sowohl zu den vorbereitenden Übungen als auch zu den Hauptübungen des Maha-Ati (Dzogchen), den innersten Lehren der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus. Während Trungpa Rinpoche in Großbritannien war, machte er Rigdzin Shikpo zum Linienhalter von Mahamudra und Maha-Ati. Dies geschah in einer besonderen privaten Zeremonie im Schreinraum der Buddhist Society in London. Dabei trug Rinpoche ihm auf, Mahayana, Mahamudra und Maha-Ati entsprechend den Anleitungen zu lehren, wie er sie von Rinpoche erhalten hatte. Den Anweisungen von Trungpa Rinpoche folgend, begann Rigdzin Shikpo den unmittelbaren Bedürfnissen der westlichen Menschen entsprechend zu lehren. Heute ist er einer der erfahrensten und inspirierendsten westlichen Lehrer des Buddhismus. Er praktiziert weiterhin so, wie Rinpoche es ihm aufgetragen hat, und unterrichtet seine eigenen SchülerInnen in der Tradition des Mahayana Maha-Ati.
Chögyam Trungpa Rinpoche war einer der letzten großen Lamas, die ihre Ausbildung noch in Tibet vollendeten. Er wurde 1940 in Kham, im Osten Tibets geboren. Bereits mit dreizehn Monaten wurde er als wichtiger Tulku (Wiedergeburt eines erleuchteten Lehrers) anerkannt. Er war die elfte Inkarnation einer Linie von Meistern, die als ‘Trungpa Tulkus’ bekannt waren.

Nachdem Trungpa Rinpoche als höchster Abt des Surmang Klosters und Gouverneur des Surmang Distrikts in Ost-Tibet inthronisiert worden war, begann für ihn eine Zeit der intensiven Ausbildung. Diese dauerte achtzehn Jahre, bis zu seiner Flucht aus Tibet im Jahre 1959.

Seine Ausbildung basierte auf einer systematischen Praxis der Meditation und einem ausgefeilten theoretischen Verständnis der buddhistischen Philosophie. Neben den traditionellen klösterlichen Disziplinen waren auch alte tibetische Dichtkunst und Kloster-Tänze Teil seiner Ausbildung.

Seine wichtigsten Lehrer waren Jamgön Kongtrül von Sechen und Khenpo Gangshar, führende Lehrer der Nyingma- und Kagyü-Linien.

Nach seiner Flucht nach Indien wurde Trungpa Rinpoche vom Dalai Lama mit der Aufgabe des spirituellen Beraters in der ‘Young Lamas Home School’ in Delhi, Indien, betraut.

1963 erhielt er die Gelegenheit in den Westen auszuwandern, als er ein Stipendium für die Oxford Universität bekam.

Als Rinpoche nach Großbritannien kam, war er bereits ein verwirklichter Yogin, ein Gelehrter und ein Schatzfinder. Er studierte in Oxford Vergleichende Religionswissenschaft, Philosophie, Geschichte und Kunst. Er erlernte auch Ikebana, die japanische Kunst des Blumenarrangements und erhielt ein Diplom der Sogetsu Schule.

Gleichzeitig begann er, westlichen Schülern den Dharma zu lehren. Rigdzin Shikpo war einer der ersten dieser Schüler, als er 1965 Chögyam Trungpa Rinpoche begegnete und von diesem Dzogchen-Unterweisungen erhielt. Während dieser Zeit veröffentlichte Rinpoche seine ersten beiden Bücher ‘Born in Tibet’ (1966) und ‘Meditation in Action’ (1966).

Mehrere kurz aufeinander folgende einschneidende Ereignisse veränderten die äußeren Umstände von Rinpoches Leben:

1967 war er Mitbegründer des Meditationszentrums Samye Ling in Schottland und ließ dort erstmals buddhistische Texte auf Englisch rezitieren. Während einer Klausur in der heiligen Höhle Taktsang in Bhutan empfing Trungpa Rinpoche 1968 den Termatext ‘The Sadhana of Mahamudra’. 1969 hatte er einen schweren Autounfall, als dessen Folge er halbseitig gelähmt blieb. Er legte seine Roben ab, heiratete die junge Diana Judith Pybus und ging mit ihr 1970 in die USA.

Dort richtete er seine Lehren sehr stark auf die Kagyü-Linie aus, obwohl allgemein bekannt war, dass er auch ein Dzogchen-Meister war.

1975 gründete er in Absprache mit S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche in England die Longchen Foundation als ein Fahrzeug für die Dzogchen-Lehren der tibetischen Tradition. Rigdzin Shikpo ist heute Halter dieser Dzogchen-Linie.

In den USA und später auch in Kanada gründete Trungpa Rinpoche eine Vielzahl von Meditationszentren, Organisationen und Trainingsprogrammen, u. a. Vajradhatu (heute: Shambhala International), das therapeutische Programm Maitri, das Naropa Institut, das Nalanda Übersetzungskomitee, eine Theatergruppe, eine Kreditanstalt, das Shambhala Trainingsprogramm, eine Vorschule sowie eine Grundschule, Organisationen für Studium und Praxis des japanischen Bogenschießens und Ikebana, sowie eine Schule für Dressurreiten.

Rinpoche starb 1987 in Halifax, Nova Scotia, in Kanada.

Es war Trungpa Rinpoche sehr daran gelegen, eine Tradition der Dharma-Praxis aufzubauen, die vor allem im Alltag geschehen sollte anstatt in einem Kloster. Er glaubte, dass es möglich sei, eine ‘Erleuchtete Gesellschaft’ zu errichten, in der die Einzelnen sowohl ihre eigene Würde als auch die der anderen akzeptieren.

In vieler Hinsicht führt Rigdzin Shikpo die Inspiration Rinpoches weiter, z. B. in dem Sinne dass er versucht, die buddhistische Lehre möglichst ohne Fachbegriffe, aber dennoch weiterhin in ihrer ganzen Tiefgründigkeit auszudrücken und in einer Weise zu vermitteln, die für westliche Menschen zugänglich ist.

Die fünf Säulen der Longchen Foundation:

Rigdzin Shikpo

Khenpo Tsültrim Gyamtso Rinpoche

S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche

"Betrachte Meditation als Teil deines Lebens, als etwas, das du niemals aufgeben wirst. Dein Geist wird sich immer damit beschäftigen und du musst nicht in der einen Sitzung alles richtig machen."

Rigdzin Shikpo